Ehepaare sind keine Familien
Das Ehegattensplitting stammt aus einer Zeit, als Frauen keine ernsthafte Berufsausbildung gewährt wurde und man sie ohne Schamesröte im Gesicht an den heimischen Herd verweisen konnte. Entscheidend aber war, dass bei Ehefrauen das (vielfache) Kinderhaben damals immer mitgedacht war: „Kinder kriegen die Leute ja eh´ …“, so oder ähnlich wird der damalige Kanzler Konrad Adenauer zitiert.
Man sieht, wie nicht nur das Rentensystem, sondern auch das Ehegattensplitting durch die Großtrends Ein-Kind-Familie oder Kinderlosigkeit ad Absurdum geführt werden. Dass untätige Ehegatten gar in der Krankenkasse kostenlos mitversichert sind, die keine Kinder großziehen, ist ein mittlerer Skandal.
Politisch gewollt war eine Steuererleichterung von Familien mit Kindern – und das ist auch heute noch gesellschaftlich wünschenswert. Nicht die gelangweilte kinderlose Ehefrau, sondern Familien mit Kindern gehören gefördert. Warum also nicht das Familiensplitting, ganz ohne Ehegattensplitting? Erfahrungswerte aus anderen Ländern gibt es schon. Politische Ziele wie beispielsweise, die Entscheidung fürs dritte Kind zu fördern und Einkommensmillionäre nicht über die Maßen zu entlasten, lassen sich regeln, das ist reine Mathematik.
Wer heute noch für die Beibehaltung des Ehegattensplittings argumentiert, indem er dies als Leistung für „Familien“ deklariert, der argumentiert unredlich.