Dieser sinnlose, ruinöse Netzausbau

Manchmal fragt man sich, ob Politiker sinnlose, sich fortwährend wiederholende Aufträge und Arbeiten gerne von Steuergeldern bezahlen lassen, weil damit ja immer ein paar Arbeitsplätze gesichert sein könnten. So werden bei uns im Dorf, im Frankfurter Umland, gefühlt jedes zweite Jahr alle Straßen aufgerissen, hinzu kommen weitere Umstände: die damit verbundenen Umleitungen, Sperrungen etc., alles um immer wieder einmal Kabel oder Rohre zu verlegen, deren Nutzwert man behördlicherseits offenbar immer erst ganz spontan entdeckt hat. Wahrscheinlich gerade dann, wenn die neuen Asphaltflicken die letzte Operation gerade erst bedecken. Gas, Glasfaser, was noch? Undichte Abflussleitungen? Oder dichte Trinkwasserleitungen? Sicher alles gute Gründe, um unterirdisch graben zu lassen, aber warum werden solche Projekte nicht einmal gebündelt?

Ein paar Dimensionen schlimmer erscheint nun der Hype um die Mega-Stromtrassen, die norddeutschen Windstrom einmal nach Bayern und Schwaben leiten sollen: Der Kostenaufwand für diese Leitungen wird nur übertroffen von der Ablehnung der Landwirte, deren Grundstücke diese Leitungen einst queren sollen. Schon wird diskutiert, anstelle der geplanten Erdleitungen die deutlich billigeren Hochspannungsmasten einzusetzen, aus Kostengründen und ohne Rücksicht auf Ästhetik, vulgo: Landschaftsbild.

Warum all dieser Bohei? Die Zukunft der Stromversorgung ist dezentral! Energieintensive Unternehmen brauchen ihr eigenes modulares Atom- oder Gaskraftwerk, bis es brauchbare Fusionsreaktoren gibt. Private Haushalte und der Rest der Wirtschaft dürften mit erneuerbaren Energien, vorhandenen Kraftwerken und dem (Atom!-)Stromzukauf aus Frankreich und sonstwoher zurechtkommen.

Nur durch dezentrale Stromerzeugung ist man vor Anschlägen auf das Stromnetz (siehe Berlin vergangenen Winter) gefeit – das bedeutet, eine gemeindeübergreifende „kleine Vernetzung“ für den Bedarfsfall ist sinnvoll, riesige Stromtrassen sind es nicht. Könnte man die Investitionskosten der Megaleitungen nicht einsparen und in die Fusionsforschung investieren? Die Kernfusion stellt die umweltfreundlichste und kostengünstigste Energie der Zukunft dar – hier muss Förderung ansetzen, hier wäre Steuergeld gut investiert.

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