Welchen spezifischen Nutzen haben Studien öffentlich finanzierter Institute, die im Grunde nur uralte Binsenweisheiten bestätigen? Anders gefragt, gab es jemals ernsthafte Zweifel daran, dass elterliche Zuwendung im Kleinkind- und Grundschulalter einen wesentlichen Effekt auf den Bildungserfolg der Kinder hat? Ist es zweitens aber nicht im Zeitalter von Gutachten und Gegengutachten, wo sich zu jedem wissenschaftlichen Standpunkt auch eine professoral geäußerte Gegenmeinung findet, nahezu sinnlos, das Offenkundige in einer wissenschaftlichen Studie belegen zu wollen?
Heute berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), die ergeben habe, dass Eltern mit höherem Bildungsgrad deutlich mehr vorlesen und reden mit ihren Kindern als bildungsferne Eltern. Diese Fakten sind lange bekannt. Immer wieder wird ja beklagt, dass in Deutschland der Schulerfolg stark vom Elternhaus abhänge. Ja, das ist beklagenswert, solange man daraus nicht einen Vorwurf für die gebildeten Eltern konstruiert. Stattdessen fragt man sich doch, was die bildungsfernen Eltern mit ihrer Zeit anfangen, die sie nicht ihren Kindern zugute kommen lassen: Müssen sie beruflich arbeiten, damit genug Geld ins Haus kommt? Oder hängen sie lieber im Nagelstudio oder Fitnesscenter ab, als ihrem Nachwuchs vorzulesen oder Bilderbücher zu zeigen? Es stimmt, Kinder bildungsferner Eltern haben ein schweres Päckchen zu tragen. Aber bevor man staatlicherseits hochkomplexe Anstrengungen unternimmt, um diese Kinder in möglichst frühzeitiger Fremdbetreuung zu beschulen: Wäre es nicht aller Ehren wert, auf deren Eltern Einfluss zu nehmen, damit diese ihren Elternpflichten nachkommen? Das in Deutschland sehr großzügige Kindergeld könnte man beispielsweise an Bedingungen knüpfen wie einen Vorlese-Führerschein für Eltern. Solange aber Politiker nicht willens sind, Ross und Reiter zu nennen bei den Ursachen der Bildungsmisere, wird sich nichts ändern. Dazu gehören nicht nur egoistische Eltern, auch schlechte Lehrer und der epidemische Missbrauch von Smartphones wären anzusprechen.